Worauf muss ich bei einem Nebenjob achten?

Die lang ersehnte Weltreise machen oder endlich das Traumauto kaufen – für solche Wünsche ist das Gehalt oft zu knapp. Nach der normalen Arbeit noch Geld dazu verdienen, ist für viele die Lösung. Was Mitarbeiter jedoch beachten müssen.

Ob als Aushilfe in einem Café oder als Kassierer im Supermarkt – mit einem Nebenjob kann der heimliche Traum wohl doch erfüllt werden. Allerdings ist der Arbeitgeber nicht immer damit einverstanden. Mitarbeiter sollten, bevor sie einen Nebenjob annehmen, einige Punkte klären. Normalerweise ist das kein Problem – im schlimmsten Fall kann das aber eine fristlose Kündigung zur Folge haben.

Die Bundesagentur für Arbeit bestätigte, dass im Januar 2015 2,4 Millionen Menschen einen Zweitjob ausübten. Jürgen Wursthorn von der Bundesagentur erklärt, dass es sich um 2,8 Prozent mehr handelt als im selben Monat des Vorjahres. Seitens des Institutes Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wurden sogar 2,7 Millionen Menschen mit Nebenjob gezählt. Grund für die unterschiedlichen Angaben ist, dass beim IAB auch die Nebenjobber gezählt werden, die im Haupterwerb selbstständig beziehungsweise verbeamtet sind.

Grundsätzlich steht einem Nebenjob von Gesetzes wegen nichts im Wege. Denn im Artikel 12 des Grundgesetzes ist ganz klar verankert, dass jeder das Recht hat, seinen Beruf frei auszuüben. Daher darf der Mitarbeiter hierin nicht eingeschränkt werden. Trotzdem möchten einige Arbeitgeber über den Nebenjob informiert werden. Im Arbeitsvertrag lässt sich die Vorgehensweise in aller Regel nachlesen. Klauseln, die den Mitarbeiter verpflichten, den Arbeitgeber vor Aufnahme eines Zweitjobs zu informieren, sollten strikt eingehalten werden, so Professor Jobst-Hubertus Bauer (Fachanwalt für Arbeitsrecht in Stuttgart). Er weist weiter darauf hin, dass bei Nichteinhaltung sogar eine Abmahnung droht. Wenn im Arbeitsvertrag nichts steht, muss der Arbeitgeber auch nicht Bescheid wissen. Eine gesonderte Regelung gilt jedoch für Beamte. Sie müssen sich für einen Nebenjob immer die Genehmigung ihres Vorgesetzten einholen.

„In 90 Prozent der Fälle wird der Arbeitgeber gegen den Nebenjob nichts einzuwenden haben“, so Professor Bauer über die Praxis. Der Nebenjob wird in aller Regel zur Kenntnis genommen und akzeptiert. Natürlich gibt es auch Ausnahmen:

– Arbeitszeitgesetz:

Verstößt ein Mitarbeiter durch seinen Nebenjob gegen das Arbeitszeitgesetz, kann der Arbeitgeber diesen untersagen. Vorgeschrieben ist laut Gesetz eine maximale Arbeitszeit von 48 Stunden in der Woche. Mit einem Arbeitsvertrag über 40 Stunden bleiben 8 Stunden für einen Nebenjob. Michael Eckert, Fachanwalt für Arbeitsrecht, weist auch darauf hin, dass eine Nachtruhe von 11 Stunden eingehalten werden muss. Den Arbeitgeber interessiert es aber eher wenig, ob der Mitarbeiter gegen diese Zeiten verstößt. Er bekommt es meistens gar nicht mit.

– Wettbewerbsverbot:

Schwierig gestaltet es sich, wenn der Mitarbeiter einen Nebenjob annimmt, der dem Arbeitgeber Konkurrenz macht. Das wäre der Fall, wenn beispielsweise ein Friseur nebenbei Geld für Haare schneiden verdient oder ein Kfz-Mechaniker freizeitmäßig Autos gegen Geld repariert. Gemäß Paragraph 60 des Handelsgesetzbuches ist es unzulässig, einen Nebenjob aufzunehmen, der dem Hauptjob Konkurrenz macht. Ohne Genehmigung ist hier sogar mit einer fristlosen Kündigung zu rechnen. Wenn ein Mitarbeiter dennoch einen Nebenjob ausüben möchte, der eventuell gegen das Wettbewerbsverbot verstößt, sollte er sich unbedingt die Erlaubnis des Arbeitgebers einholen – unabhängig davon, ob es im Arbeitsvertrag steht oder nicht. Das Ganze sollte wegen der Beweisfrage schriftlich festgehalten werden.

– Leistungsminderung:

Der Arbeitgeber kann die Ausübung des Nebenjobs aber in dem Fall untersagen, wenn der Mitarbeiter durch die zusätzliche Belastung eine geringere Leistung erbringt – sei es, dass er ständig müde oder krank ist. Dann kann die Genehmigung für den Zweitjob jederzeit zurückgezogen werden. Sollte sich der Mitarbeiter nicht daran halten, riskiert er eine Abmahnung.

Wenn der Arbeitgeber den Zweitjob nachträglich verbietet, bleibt der Entgeltanspruch des Mitarbeiters für den Hauptjob trotzdem bestehen. Hat der Arbeitnehmer beispielsweise 55 Stunden anstatt der 48 erlaubten Wochenstunden gearbeitet, kann der Arbeitgeber die Lohnzahlung trotzdem nicht verweigern.

 

Quelle: DPA / Redaktion gehaltsabrechnung.de

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