Reichen acht Stunden? Starre Regeln zur Arbeitszeit diskussionswürdig!

Nach Arbeitgebermeinung sind starre Arbeitszeiten in der durchdigitalisierten Welt nicht mehr zeitgemäß. Allerdings ist es schwer unter Berücksichtigung der Interessen aller Beschäftigten neue Regelungen zu finden.
Die Regelarbeitszeit beträgt acht Stunden, dann ist Feierabend, in Ausnahmefäll auch mal nach zehn, bei zeitnahem Ausgleich in Freizeit. Faktisch gesehen gilt das nur noch für wenige Arbeitnehmer in Deutschland-jedoch sind diese Grundsätze laut Arbeitszeitgesetz aus dem Jahr 1994 so festgelegt. Nun forderten die Arbeitgeber eine allumfassende Reform, welche sich der digitalisierten und globalisierten Arbeitswelt anpasst. Hierbei ergeben sich aber bereits aufgrund des Widerstands der Gewerkschaften Probleme bei einer schnellen Lösungsfindung.

Welchen Sinn verfolgen die Arbeitszeit-Regeln ursprünglich?

Im Mittelpunkt steht der Arbeitnehmerschutz. Arbeitsmediziner stimmen überein, dass Arbeitszeiten von mehr als 40 Stunden in der Woche gesundheitsschädigend sind und ebenso die Arbeitssicherheit gefährden. Gemäß eines Berichts der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) in Dortmund stehen lange Arbeitszeiten im direkten Zusammenhang mit gesundheitlichen Problemen wie Magen-Darm-Beschwerden, Rückenschmerzen oder Stressempfinden, was durch zahlreiche Studien bewiesen wurde. Hauptaugenmerk arbeitsmedizinischer Forderungen liegt mittlerweile auf den Abbau psychischer Belastungen anstatt der physischen Regeneration.

Ist das Arbeitszeitgesetz in der heutigen Arbeitswelt noch real umsetzbar?

Gewiss nur noch zum Teil, denn die ehemals offensichtliche Grenze zwischen Arbeit und Freizeit ist zusehends verschwommen, wie Hunderttausende Arbeitnehmer mit ansteigender Digitalisierung erfahren haben. Besonders für Angestellte bestimmen der Versand einer schnellen Mail am Abend, die Video-Konferenz an freien Tagen oder der wichtige Anruf zu jeder Zeit, das Alltagsleben. Vereinzelt wurden zwar, bei stark beeinflussten Unternehmen, sogenannte „Off“-Zeiten für diese definiert. Andererseits steigt in unserer globalisierten Arbeitswelt die Zahl derer, welche (schein)selbständig dem „Crowdworking“ nachgehen, Aufträge von IT-Plattformen erledigen und dabei weder Mindestlohn noch soziale Schutzvorschriften genießen. Lediglich in der Produktion oder auch in Behörden findet man noch oft den klassischen Acht-Stunden-Job.

Welche Meinung verfolgen Arbeitgeber?

Substantiell plädieren sie für eine Höchstgrenze der Wochenarbeitszeit von 48 Stunden gemäß EU-Arbeitszeitrichtlinie, welche die deutsche Acht-Stunden-Regel pro Arbeitstag ersetzen soll. Einzelheiten beispielsweise zu Arbeitszeitkonten oder den Bedingungen von Heimarbeit unterliegen vornehmlich Regelungen auf betrieblicher Ebene. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) drückt es in einem Schreiben noch deutlicher aus: keine gesetzlichen Regeln zur Bekämpfung psychischer Belastungen, keine Ausweitung des bestehenden Arbeitsschutzes auf „Crowdworker“, geringere Fristen bei der Ankündigung von Mehrarbeit und verminderte Einschränkungen an Sonn- und Feiertagen. Hinzu setzt sich die BDA dafür ein, Werkverträge und Leiharbeiter einfacher zu vergeben.

Wie ist die Reaktion der Gewerkschaften?

Als „Nein-Sager-Papier mit neoliberaler Färbung“ betitelte der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) den umfangreichen Vorstoß der BDA. Direkter noch äußerte sich DGB-Chef Hoffmann im MDR und bezeichnete die Pläne als „No-Go“. Anstelle des Abbaus der Arbeitnehmerschutzrechte streben die Gewerkschaften eher eine Anpassung dieser an die digitale Arbeitswelt an. Zusätzlich sollen tariflich geschützte Freiräume für Bildung, Familie oder Ehrenamt geschaffen werden, um damit private Interessen Beschäftigter mehr zu berücksichtigen. Sozialökonom Ulrich Mückenberger schreibt dazu folgendes in der „Metallzeitung“: „Der Arbeitgeber muss das kostbare Gut Zeit teilen. Er muss es teilen mit Familie, Partnern, Freunden, Nachbarn, aber auch mit Ehrenamt, Politik, Vereinen und Kultur.“

Wie könnte es nun weiter gehen?

Die Arbeitszeit wird auch weiter Teil der Tarifverhandlungen sein, wie die IG Metall ankündigte. Jörg Hofmann, zweiter Vorsitzende, sagt diesbezüglich: „Auch mobile Arbeitszeit muss erfasst und vergütet werden.“ Die große Koalition hält das Thema in der aktuellen Legislaturperiode offenbar für zu langwierig. Laut Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) seien Gesetzesänderungen derzeit nicht beabsichtigt. Ende 2016 will ihr Ministerium ein „Weißbuch“ in dieser Angelegenheit anhand der gesammelten Fakten und Einschätzungen aller Teilnehmer veröffentlichen. Mit dieser Basis sollen denkbare Veränderungen im Arbeitszeitgesetz in Betracht gezogen werden.

 

Quelle: DPA / Redaktion gehaltsabrechnung.de

Facebooktwittergoogle_plusFacebooktwittergoogle_plus
rssrss
image003

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.