Mehr Lohn, weniger Minijobs. Fazit nach einem dreiviertel Jahr Mindestlohn.

Was hat er Mindestlohn seit der Einführung vor einem dreiviertel Jahr gebracht?

Nach Meinung der Arbeitsministerin 3,7 Millionen Euro zugunsten der Arbeitnehmer. Die Lohnuntergrenze sei dadurch zumindest nicht zum großen Jobkiller geworden.

Vergangenes Jahr warnten verschiedene Wirtschaftsinstitute vor dem Verlust von hunderttausenden Arbeitsplätzen durch den Mindestlohn. Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) zitiert, dass keine der entsprechenden Horrorszenarien seit der Einführung von Mindestlohn vor neun Monaten eingetreten sind, mit erkennbarer Genugtuung.

Zeichnen sich Folgen des Mindestlohns nach neun Monaten ab?

Der Rückgang bei den Minijobs ist eine der deutlichsten Entwicklungen, jedoch wurde die Lohnuntergrenze von 8,50 Euro nicht zum Jobkiller.

Die Minijob-Zentrale verzeichnet seit Anfang des Jahres im Vergleich zum letzten Jahr und auch dem Mittel der Jahre zuvor, einen konstanten Rückgang von circa 200 000 Minijobbern. ¨Das ist auffällig¨, sagt ein Sprecher der Zentrale, ¨allerdings können wir nicht feststellen, ob diesen Personen wegen des Mindestlohns gekündigt wurde und sie nun arbeitslos sind, oder ob sie in sozialversicherungspflichtige Jobs gewechselt haben¨.

Auffällig ist für den Arbeitsmarktexperten des gewerkschaftsnahen Forschungsinstituts WSI Thorsten Schulten, dass in den Branchen mit traditionell hohen Aufkommen an Minijobbern, wie Handel oder Gastgewerbe, besonders viele reguläre Arbeitsplätze entstanden sind.

Laut Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer aber, sei anders als in den Jahren zuvor, die
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung seit Beginn des Jahres bis Ende Juni letztendlich nur weniger stark auf 30,7 Millionen angestiegen. ¨Vielmehr ist zu befürchten, ¨sagte Kramer, ¨dass zahlreiche Arbeitsplätze verlorengegangen sind.¨

Wie ist die Entwicklung der Löhne?

Laut Daten des Statistischen Bundesamts, gab es bei Ungelernten und Angelernten im ersten Quartal eine überdurchschnittliche Verdienststeigerung von 4,0 bzw. 2,8 Prozent, so Nahles.
Der Mindestlohn begünstigte somit besonders in Ostdeutschland und in den Branchen mit Niedriglohn wie der Gastronomie oder bei Wach-und Sicherheitsdiensten einen deutlichen Lohnanstieg.

In einzelnen Bereichen wie der ¨Personenbeförderung im Straßenverkehr¨, vor allem im
Taxigewerbe, stiegen die Preise laut Statistischem Bundesamt um zehn Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat erhöhten sich die Verbraucherpreise nur um 0,2 Prozent, die Inflation befindet sich daher aufgrund des stark gefallenen Ölpreises auf niedrigem Niveau.

Tricksen, Täuschen, Umgehen – welche Bilanz kann man ziehen?

Rund 300 Verfahren wegen des Verdachts auf Verstöße wurden bis Ende Juni seitens der zuständigen Finanzkontrolle Schwarzarbeit nach knapp 25 000 Kontrollen eingeleitet. 146 wegen nicht oder nicht rechtzeitig gezahltem Lohn, 134 wegen fehlerhaften Aufzeichnungen der Arbeitszeit. Auch wenn
sich das nach nicht viel anhört, müsse es gerade im Bereich der Minijobs stärkere Kontrollen geben,
da dieser anfällig für Verstöße sei. ¨Erst seit April werden Verstöße auch richtig geahndet¨, so der DGB-Vorstandsmitglied Stefan Körzell.

Laut der jüngsten Ankündigung von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) im Bundestag, sollen zusätzliche Stellen für die Mindestlohnkontrolle zur Bewältigung des Flüchtlingsansturms genutzt werden. Auch wenn es bei dem beabsichtigten Aufbau von 1600 zusätzlichen Arbeitsplätzen für den Zoll wohl zu Verzögerungen kommen wird.

Quelle: DPA / Redaktion gehaltsabrechnung.de

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